Hypothek Schweiz · 2026

Direkte vs Indirekte Amortisation

Wie beide Methoden funktionieren, warum die indirekte Amortisation über Säule 3a steuerlich fast immer gewinnt — und was die geplante Reform 2028 ändert.

Direkte AmortisationSäule 3aEigenmietwertReform 2028

Das Schweizer Hypothekensystem

In der Schweiz ist es üblich, Hypotheken dauerhaft hoch zu halten — das ist kein Versehen, sondern Strategie. Das Schweizer Steuerrecht besteuert Eigenheimbesitzer auf den sogenannten Eigenmietwert: einen fiktiven Mietertrag, den das Haus «erzielt», auch wenn man selbst darin wohnt. Im Gegenzug sind Hypothekarzinsen und Unterhaltskosten steuerlich abzugsfähig. Wer die Hypothek abbezahlt, verliert den Zinsabzug, zahlt aber weiterhin Eigenmietwert — ein Nachteil.

Daraus entstehen zwei Amortisationsmethoden: direkt (Schuld wird effektiv reduziert) und indirekt (Schuld bleibt, Kapital wird in Säule 3a angespart und am Ende verrechnet).

Direkte vs Indirekte Amortisation — der Vergleich

MerkmalDirekte AmortisationIndirekte Amortisation
Hypothek sinktJa — jährlichNein — bleibt konstant
ZinsabzugSinkt jährlichBleibt konstant
Säule-3a-EinzahlungNeinJa — steuerlich abzugsfähig
Steuerbelastung im ZeitverlaufSteigtBleibt tiefer
KapitalwachstumKeines3a-Guthaben wächst (Zins/Fonds)
FlexibilitätMittelHoch (3a jederzeit für WEF nutzbar)
RisikoTieferZinsrisiko bleibt bestehen

Die 2. Hypothek — Pflichtamortisation

Schweizer Banken verlangen bei Neufinanzierungen eine Mindestamortisation der 2. Hypothek (Belehnungsanteil zwischen 65 % und 80 % des Verkehrswerts) auf 65 % innerhalb von 15 Jahren. Die 1. Hypothek (bis 65 % Belehnungswert) muss nicht amortisiert werden.

Liegenschaft CHF 800.000 — Standardfinanzierung
KaufpreisCHF 800.000
Eigenkapital (mind. 20 %)CHF 160.000
GesamthypothekCHF 640.000
1. Hypothek (bis 65 %)CHF 520.000
2. Hypothek (65–80 %)CHF 120.000
Pflichtamortisation 2. Hypo (15 Jahre)CHF 8.000 / Jahr

Steuervergleich — direkt vs indirekt

Der Steuervorteil der indirekten Methode ergibt sich aus zwei Quellen: dem gleichbleibend hohen Zinsabzug und der jährlichen Säule-3a-Einzahlung (2026: max. CHF 7.258 für Angestellte). Beide reduzieren das steuerbare Einkommen.

Steuervergleich — CHF 120.000 Amortisation über 15 Jahre, Grenzsteuersatz 35 %
Direkte Amortisation — Zinsabzug Jahr 15~CHF 7.800 / Jahr
Indirekte Amortisation — Zinsabzug Jahr 15~CHF 14.400 / Jahr
Jährliche Säule-3a-Einzahlung (abzugsfähig)CHF 7.258 / Jahr
Gesamtabzug indirekt (Jahr 15)~CHF 21.658 / Jahr
Steuerersparnis indirekt vs direkt @ 35 %~CHF 4.851 / Jahr
Kumulierte Mehrersparnis über 15 Jahre~CHF 45.000–55.000

Säule 3a — das Herzstück der indirekten Amortisation

Die Säule 3a (gebundene Vorsorge) erlaubt es Angestellten, jährlich bis zu CHF 7.258 steuerlich abzugsfähig einzuzahlen (2026). Das Kapital wächst steuerfrei bis zur Auszahlung — bei Pensionierung, beim Kauf von Wohneigentum (WEF-Vorbezug) oder bei Auswanderung. Bei Auszahlung fällt eine reduzierte Kapitalauszahlungssteuer an, die deutlich tiefer ist als der reguläre Einkommenssteuersatz.

Wer die Säule 3a in Wertschriftenfonds anlegt statt auf das klassische Sparkonto, kann langfristig deutlich höhere Renditen erzielen — historisch 4–6 % p.a. für ausgewogene Vorsorgefonds. Das angesparte Kapital wächst damit schneller als die verbleibende Hypothekschuld.

Die geplante Reform 2028 — Abschaffung des Eigenmietwerts

Der Nationalrat hat mehrfach für die Abschaffung des Eigenmietwerts gestimmt. Ein konkretes Reformmodell wird derzeit im Parlament diskutiert. Die wichtigsten geplanten Änderungen:

Wegfällt (geplant)

  • Eigenmietwert als steuerbares Einkommen
  • Abzug der Hypothekarzinsen (Erstwohnsitz)
  • Abzug gewöhnlicher Unterhaltskosten
  • Pauschalabzug für Liegenschaftsunterhalt

Bleibt / kommt neu

  • Abzug für werterhaltende Investitionen (übergangsweise)
  • Schuldzinsenabzug für Zweitwohnungen bleibt
  • Säule-3a-Abzug bleibt unverändert
  • WEF-Vorbezug bleibt möglich

Falls die Reform wie geplant in Kraft tritt, verliert die indirekte Amortisation ihren grössten Vorteil — den Zinsabzug. Der Säule-3a-Abzug bleibt jedoch erhalten, was die indirekte Methode weiterhin attraktiv macht. Für laufende Hypotheken empfiehlt es sich, die Strategie nach Verabschiedung des Gesetzes mit einem Steuerberater zu überprüfen.

Fazit

Unter dem heutigen Steuerrecht ist die indirekte Amortisation für die meisten Schweizer Hausbesitzer die steuerlich überlegene Methode — kombinierter Zinsabzug und Säule-3a-Abzug sparen über 15 Jahre typischerweise CHF 40.000–60.000 Steuern. Die Reform 2028 könnte das Gleichgewicht verschieben — aber der Säule-3a-Vorteil bleibt in jedem Szenario bestehen. Wer heute eine neue Hypothek aufnimmt, sollte die indirekte Methode wählen und die Gesetzgebung beobachten.

Häufig gestellte Fragen

Muss ich die 2. Hypothek zwingend direkt amortisieren?
Nein — die meisten Banken akzeptieren die indirekte Amortisation über Säule 3a als Erfüllung der Pflichtamortisation. Das 3a-Konto wird dabei an die Bank verpfändet. Erst wenn das 3a-Guthaben nach 15 Jahren zur Tilgung der 2. Hypothek verwendet wird, sinkt die Schuld effektiv. In der Zwischenzeit bleiben Schuld und Zinsabzug konstant.
Was ist der WEF-Vorbezug und wie funktioniert er?
Der Wohneigentumsförderungsvorbezug (WEF) erlaubt es, Säule-3a-Guthaben vorzeitig zu beziehen, um Wohneigentum zu kaufen, zu amortisieren oder zu renovieren. Der Vorbezug ist steuerpflichtig — allerdings zu einer reduzierten Kapitalauszahlungssteuer. Er kann alle 5 Jahre in beliebiger Höhe genutzt werden. Das vorbezogene Kapital muss bei späterem Verkauf der Liegenschaft zurückgezahlt werden, wenn ein neues Objekt erworben wird.
Lohnt sich die Säule 3a in Fonds oder auf dem Sparkonto?
Für lange Anlagehorizonte (10+ Jahre) sind Wertschriftenlösungen historisch deutlich besser — ausgewogene Vorsorgefonds haben langfristig 4–6 % p.a. erzielt, klassische 3a-Sparkonten liegen aktuell bei 1,0–1,5 %. Bei einem Amortisationshorizont von 15 Jahren macht der Unterschied bei einem Einzahlungsbetrag von CHF 7.258/Jahr mehrere zehntausend Franken aus. Wer in 3–5 Jahren mit dem WEF-Vorbezug plant, sollte allerdings auf Fonds verzichten und konservativere Anlageformen wählen.
Ändert sich etwas bei der Strategie durch die Reform 2028?
Falls die Eigenmietwertbesteuerung abgeschafft wird, entfällt der Zinsabzug für den Erstwohnsitz. Damit verliert die indirekte Amortisation ihren wichtigsten Steuerhebel. Der Säule-3a-Abzug bleibt aber erhalten, was die indirekte Methode weiterhin sinnvoll macht. Für bestehende Hypotheken empfiehlt sich eine Neubewertung nach Inkrafttreten des Gesetzes — ein pauschaler Wechsel zur direkten Methode ist nicht zwingend vorteilhaft.
Kann ich mehrere Säule-3a-Konten führen?
Ja — seit einem Bundesgerichtsentscheid ist es möglich, bis zu fünf Säule-3a-Konten parallel zu führen. Der Gesamtbetrag der jährlichen Einzahlungen bleibt auf CHF 7.258 begrenzt, kann aber auf mehrere Konten aufgeteilt werden. Der Vorteil: Gestaffelte Auszahlungen über mehrere Jahre reduzieren die Steuerbelastung bei der Kapitalauszahlung erheblich, da die Kapitalauszahlungssteuer progressiv ist.